Peter Deilmann – Die Traumschiffreederei

8. Dezember 2012 von

Zur in Neustadt/Holstein ansässigen Reederei Peter Deilmann gehört bis heute das wohl bekannteste deutsche Kreuzfahrtschiff, die MS Deutschland. Sie ist das Traumschiff der gleichnamigen ZDF- Fernsehserie und nicht ganz unbeteiligt am Kreuzfahrtboom in Deutschland.

Alles begann 1972, als Peter Deilmann seine Reederei gründete und den Sitz im Jahr darauf von Lübeck nach Neustadt/Holstein verlegte. Zuvor hatte der Schifffahrtskaufmann vier Jahre lang Frachtschiffe in Betrieb, von denen er sich nun nach und nach trennte, als er die Chancen der Passagierschifffahrt erkannte. Bis zum ersten Kreuzfahrtschiff war es noch ein weiter Weg, Deilmanns Einstieg waren Butterfahrten, bei denen die Hauptattraktion für die Tagestouristen der Verkauf zollfreier Waren an Bord war, sobald das Schiff die deutschen Hoheitsgewässer verlassen hatte.

In den nächsten Jahren wurden die Passagierschiffe Nordlicht, Nordwelle, Nordbrise und Nordschau angeschafft. Mit der Nordwelle und der Nordschau wurden von Neustadt aus Tagesfahrten unternommen. Die Nordlicht nahmen den Fährverkehr von Neustadt zur dänischen Ostseeinsel Bornholm auf. Die Nordbrise, die zuvor als MS Rost für Hurtig gefahren war, wurde für das Kreuzfahrtgeschäft umgerüstet und unternahm Kreuzfahrten bis hin nach Grönland. Schon in den 1970er Jahren beförderte die Deilmann-Reederei so rund 250.000 Passagiere jährlich.

Nach dem Verkauf der am Ende zehn Frachtschiffe war nun genug Kapital vorhanden, um mit der MS Berlin ein erstes eigenes Kreuzfahrtschiff bei der Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft AG Kiel (HDW) in Auftrag zu geben. Noch im gleichen Jahr kaufte Deilmann die Regina Maris, ein bereits gut im Markt eingeführtes kleines Kreuzfahrtschiff, das 276 Passagiere aufnehmen konnte. Zusammen mit der 1980 fertiggestellten Berlin war das der Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft, und das gleich ganz weit oben im gehobenen Segment. „Luxuskreuzfahrten in deutscher Kreuzfahrttradition,“ wurde zum Leitgedanken der Reederei.

Der Einstig gelang, die Buchungszahlen stimmten, das Geschäft war mehr als profitabel und so wurde die Berlin in einer spektakulären Aktion im Jahr 1986 um 20 Meter verlängert und konnte nun 420 Passagiere statt wie bisher 330 mitnehmen. Nach der Fertigstellung des Umbaus wurde die Berlin das erste Traumschiff der gleichnamigen ZDF-Serie.

Inzwischen hatte Deilman neben den Hochseekreuzfahrten ab 1984 auch die Flusskreuzfahrten als weiteren lukrativen Geschäftszweig entdeckt und mit der Donauprinzessin das erste Flusskreuzfahrtschiff in Dienst gestellt. Auch dieses Schiff wurde zum Schauplatz und Drehort einer erfolgreichen Fernsehserie. Zweites Flusskreuzfahrtschiff war die 1991 in Dienst gestellte Prinzessin von Preußen, die zunächst auf der Elbe und später auf dem Rhein fuhr. In den weiteren 1990er Jahren kamen weitere europäische Flussreviere und Flusskreuzfahrtschiffe dazu, wie die Mozart auf der Donau, die Dresden auf der Elbe und die Princesse de Provence auf der Rhône und Saône in Frankreich.

Mit einem weiteren Schiffstyp und damit einem ganz neuen Kreuzfahrtsegment betrat Peter Deilmann Neuland für seine Reederei, als er 1994 den Luxus-Großsegler Lili Marleen für 50 Passagiere bauen ließ. Deilmann expandierte weiter und ließ 1996 wieder bei HDW in Kiel die Deutschland in Auftrag. Zwei Jahre später wurde das neue Flaggschiff in Dienst gestellt und von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker getauft. Das Schiff wurde – auch durch den Fernseherfolg als neues Traumschiff ab 1999 – zum großen Erfolgsschlager der Reederei und ist bis heute das wohl bekannteste Kreuzfahrtschiff in Deutschland. Deilmann gehörte nun zu den Marktführern mit jährlich 30.000 Kreuzfahrtreisenden. Im Bereich der Flußkreuzfahrten kamen in den folgenden Jahren weitere Schiffe hinzu wie die Katharina von Bora, die Cezanne, Casanova, die Frederic Chopin und die Heidelberg..

Im Millenniumjahr 2000 war die Deutschland erstmals als Botschafterin des Landes bei den Olympischen Spielen in Sydney eingesetzt, 2006 fungierte sie als Botschafterin für die FIFA-Fußball WM in Deutschland.

Peter Deilmann selbst hatte noch den Verkauf der zunehmend floppenden Lili Marleen geplant. Als er 2003 starb, übernehmen seine beiden Töchter, die Zwillingsschwestern Gisa und Hedda Deilmann die Firmenleitung. Die Lilli Marleen wurde 2004 verkauft. Trotzdem geriet die Reederei in zunehmend unruhige Gewässer. Der für 2005 angedachte Ersatzbau für die in die Jahre gekommene MS Berlin wurde gestrichen, das Schiff nach Singapur verkauft. Vor allem die zunehmend schlechte Auftragslage im Bereich Flusskreuzfahrten und die nun voll durchschlagende internationale Finanzkrise brachte das Unternehmen mit seinen inzwischen elf Flusskreuzfahrtschiffen finanziell in Bedrängnis, nachdem in diesem Segment fast die Hälfte der Umsätze wegbrachen. Im Jahr 2009 wurden zwei Flusskreuzfahrtschiffe außer Dienst gestellt.

Im Juni musste die Reederei Peter Deilmann, die kurz zuvor ihren Firmensitz nach Cuxhaven verlegt hatte, einen Insolvenzantrag stellen. Der Insolvenzverwalter Edgar Grönde konnte sieben Flusskreuzfahrtschiffe an eine Schweizer Reederei veräußern, der Betrieb der MS Deutschland lief weiter. Ende August 2010 übernahm die Beteiligungsgesellschaft Aurelius AG mit 95% die Mehrheit der Reedereianteile und damit auch über deren Tochtergesellschaft Schifffahrtsgesellschaft MS Deutschland GmbH&Co KG, die wiederum die Mehrheit an der MS Deutschland hielt. Mit derzeit 70% Auslastung fährt das Schiff nach Meinung von Aurelius-Chef Dirk Markus derzeit akzeptable Gewinne ein. Veränderungen, wie eine vorsichtige Verjüngung der Zielgruppe sollen durch zusätzliche Ziele und attraktive Landausflüge behutsam erfolgen.

Weiterhin steht die MS Deutschland für deutsche Kreuzfahrttradition im gehobenen Segment mit luxuriösen Kabinen, höchster Qualität bei Wellnessangeboten, Gourmetküche und Entertainmentprogramm und Reisen zu den schönsten Zielen der Welt.

Die MS Deutschland ist derzeit das einzige Schiff der Peter Deilmann Reederei.

Zusammenfassung:
Die Reederei Peter Deilmann wurde von dem Schifffahrtskaufmann Peter Deilmann 1972 in Lübeck gegründet. Ein Jahr später verlegte Deilmann den Firmensitz nach Neustadt/Holstein. In den folgenden Jahren gelang der Umstieg von der Frachtschifffahrt in die Passagierschiffahrt. Der Durchbruch kam 1998 mit dem Bau der MS Deutschland. Ein weiteres Firmensegment wurde der Bereich Flusskreuzfahrten mit bis zu zehn eigenen Schiffen.

Der Niedergang begann mit dem Tod des Eigners Peter Deilmann 2003 und dem Wegbrechen der Auslastungen im Flusskreuzfahrtbereich. Im Jahr 2009 meldete die Reederei Insolvenz an.

Zur 2010 neu gegründeten Reederei Peter Deilmann des Mehrheitseigners Aurelius AG, die heute wieder in Neustadt/Holstein ansässig ist, gehört als einziges Schiff die MS Deutschland.

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