Die Cunard Line – Die britische Traditionsreederei mit den legendären Luxuslinern

8. Dezember 2012 von

Die 1840 gegründete britische Reederei Cunard Line ist eine der ältesten und traditionsreichsten Passagierschiffreedereien der Welt und hat mit der Queen Mary 2, der Queen Victoria und der Queen Elizabth drei hochmoderne Kreuzfahrtschiffe mit klassischen Linien in der Flotte.

Die Cunard Line ist eine der letzten noch immer am Merkt befindlichen britischen Traditionsreedereien aus der großen Zeit der schnellen, luxuriösen Ocean Liner, die sich über Jahrzehnte einen teils ruinösen Kampf um das „Blaue Band“ geliefert haben.

Doch die Reedereigeschichte begann viel früher, nämlich 1838 mit dem Liniendienst von Groß Britannien in die Neue Welt nach Boston und Halifax. Die Reederei British & North American Royal Mail Steam Packet Company wurde dann 1839 vom kanadischen Kaufmann Samuel Cunard und einer Gruppe interessierter und betuchter Schifffahrtskaufleuten und Reedern gegründet. Bekannt
wurde die Reederei unter der Bezeichnung Cunard Line.

Ausgestattet war die junge Reederei mit einem Vertrag zur Postbeförderung von der Admiralität, der mit einem Jahresfixum von 81.000 Pfund dotiert war. Die Sache rechnete sich und bereits 1840 wurden mit Britannia, Arcadia, Caledonia und Columbia die ersten Schiffsneubauten der Cunard Line in Dienst gestellt. Damit war der Startschuss gefallen und die große Zeit der Transatlantikliner begann.

Vor allem Tempo war dabei angesagt. Die Dampfschiffe Britannia und Caledonia, denen 1845 die Hibernia folgte, waren die ersten Cunardliner, die das Blaue Band eroberten, wie die Trophäe für die schnellste Transatlantikpassage genannt wurde. Bis 1850 blieb das Blaue Band in den Reihen der Cunard-Flotte, sechs weitere Schiffsneubauten gewannen es.

Doch dann riss die Erfolgsserie. Noch immer war Geschwindigkeit der Rausch einer Zeit, die von ungebrochenem Fortschrittsglauben geprägt war. Schneller als die hölzernen Cunard-Schiffe waren jedoch die Eisenschiffe der Amerikaner und die US-Reederei Collins lief Cunard den Rang ab.

Man reagierte gerade noch rechtzeitig in Großbritannien und schon die Persia, Cunards erstes Dampfschiff aus Eisen, holte das Blaue Band zurück. Doch die Krise war da, denn die immer zahlreichere Konkurrenz war im Knowhow und in der finanziellen Ausstattung ebenbürtig. Der Cunard-Dampfer City of Brussels holte 1869 noch einmal das Blaue Band, dann aber waren die Schiffe der Inman Reederei, der National Line und der White Star Line am Zug.

Der Niedergang von Cunard war nicht mehr aufzuhalten, der finanzielle Zusammenbruch, den der 1865 verstorbene Reedereigründer Samual Cunard nicht mehr erlebte, kam 1877. Die Reederei wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und bekam den Namen Cunard Steamship Company Ltd. Konkurrenzfähige Schiffe waren nötig und tatsächlich konnten in den folgenden Jahren mehrere Schiffe in Dienst gestellt werden. Obwohl alle für Rekordfahrten geplant waren, konnte nicht einmal die Servia, der erste Dampfer aus Schiffbaustahl, das Blaue Band zurückerobern.

Erst der Kauf der schnellen Oregon von der Guion Line brachte 1884 das Blaue Band wieder zurück. Zwar eroberten zwischen 1888 und 1892 auch die Inman Line und White Star die begehrte Trophäe, doch Cunard blieb dran und die neuen Cunard Liner Campania und Lucania eroberten 1893 das Blaue Band zurück. Die beiden Schwesterschiffe waren damals gleichzeitig mit einer Verdrängung von 12.950 BRT die größten Schiffe der Welt.

Man war nun in einer Zeit angekommen, die vom Gigantismus geprägt war, das schnellste Schiff in der Flotte zu haben genügte nun nicht mehr, es musste möglichst gleichzeitig auch das größte sein. Die bisherigen Konkurrenten konnten da nicht mithalten und bei Cunard begann man, sich auf einer scheinbar gesicherten Spitzenposition in der Transatlantik-Passagierschifffahrt einzurichten. Da tauchten wie aus heiterem Himmel am Horizont die deutschen Reedereien Norddeutscher Lloyd, Hamburg-Amerika-Linie und HAPAG auf, die ihre Schiffe ausschließlich auf deutschen Werften bauen ließen. Im folgenden Jahrzehnt blieb das Blaue Band in Deutschland.

Cunard konnte durch Druck auf die britische Regierung deren Subventionen für den Schiffbau erhöhen, erhielt dazu einen großzügigen Kredit und konnte so den Aufkaufgelüsten von John Pierrot Morgan Paroli bieten. !907 waren dann die neuen Cunard-Flagschiffe Mauretania und Lusitania fertig und stellten im Transatlantikgeschäft die alten Verhältnisse wieder her. Mit 31.938 BRT Verdrängung und einer Höchstgeschwindigkeit von gut 26 Knoten waren dies nun die größten und schnellsten Schiffe der Welt. Zudem sollte die Mauretania das Blaue Band 22 Jahre halten können. Nach dem Aufkauf mehrerer Reedereien war die Cunard Line am Vorabend des Ersten Weltkriegs zum weltweit größten Schifffahrtskonzern aufgestiegen. Die Reederei erlitt im Krieg schwere Verluste, allein die Torpedierung der Lusitania forderte fast 1.200 Todesopfer, von denen die meisten Amerikaner waren. Das hatte die USA in den Krieg gezogen.

Nach dem Krieg gelang ein rascher Wiedereintritt ins Passagiergeschäft auf Atlantikrouten und in den 1920er Jahren kam noch einmal eine große Blütezeit der Transatlantikpassagierfahrt mit Cunard an der Spitze. Zwar verlor die betagte Mauretania 1928 das Blaue Band an die Bremen des Norddeutschen Lloyds. Cunard zeigte sich wenig beunruhigt, war doch ein neues Superschiff bereits in der Planung, als die Weltwirtschaftskrise die Reederei voll traf.

Wieder sprang der Staat ein und das Schatzamt stützte das Cunard-Bauprogramm mit 4,5 Millionen Pfund, einzige Bedingung: die Fusion von White Star und Cunard, die 1935 in Kraft trat. Nur ein Jahr später hatte Cunard-White Star die Queen Mary in Dienst gestellt, das nunmehr mit 80.774 BRT größte Passagierschiff der Welt, die prompt das Blaue Band gewann. Schon im Krieg wurde 1940 mit der Queen Elizabeth ein mit 83.673 noch größeres Schiff in Betrieb genommen, das bis 1996 größtes Passagierschiff der Welt blieb.

Die beiden „Queens“ überstanden den Zweiten Weltkrieg und nahmen 1948 den wöchentlichen Transatlantik-Liniendienst auf. Im gleichen Jahr stellte Cunard-White Star mit der Caronia das erste für den Kreuzfahrtbetrieb gebaute Schiff in Dienst. Seit 1950 hieß die Reederei wieder Cunard Steamship Company Ltd, nachdem die übrigen White Star-Aktien aufgekauft werden konnten, 1962 wurde sie in Cunard Line Ltd umbenannt.

Als die United States der United States Reederei 1952 das Blaue Band eroberte, nahm Cunard den Kampf um die schnellste Transatlantikpassage nicht wieder auf. Es begann der Aufstieg der Transatlantikfliegerei und der Niedergang der Transatlantikschifffahrt, denn Schiffe konnten den Kampf um die Geschwindigkeit nicht gewinnen. Im Jahr 1967 wurde die Queen Mary stillgelegt, ein Jahr später die Queen Elizabeth, die Linienschifffahrt in die Neue Welt war am Ende.

Doch schon die Queen Elizabeth 2, die 1968 in Betrieb ging, setzte auf ein anderes Konzept: sie war schon für den Kreuzfahrtbetrieb vorgesehen und nur gerade so groß, dass sie sowohl den Panama- als auch den Suezkanal passieren kann. Sie war das letzte Cunard-Schiff, das von einer britischen Werft gebaut wurde.

Der Mischkonzern Trafalgar House Investments kaufte Curand Line 1971 auf, im Laufe der 1980er Jahre entstand durch weitere Zukäufe eine bunt zusammengewürfelte Flotte. Der norwegische Kvaerner-Konzern kaufte das Sammelsurium 1998 und zerschlug Trafalgar House. Die Cunard Line ging an den Branchenprimus, die US-amerikanische Carnival Corporation und bestand nun wieder als eigenständige Marke.

Ein tagfähiges Konzept wurde entwickelt, wobei Cunard im Konzern den Premium-Bereich abdecken sollte. Man plante Luxus mit britischem Understatement und der Eleganz klassischer Schiffslinien der großen Zeit der britischen Ocean Liner mit stilvollem Ambiente, großzügigen Kabinen, exquisiter Küche und einem Top-Service.

Wie gut das Konzept aufging, zeigte sich bald nach der Indienststellung der Queen Mary 2 im Jahr 2004, als das goldene Zeitalter mit dem mit 148.528 BRZ vermessenen, nun größten Passagierschiff der Welt plötzlich zurückgekehrt schien. Die beiden mit 90.000 BRZ vermessenen kleineren Schwestern, die 2007 in Dienst gestellte Queen Victoria und die 2010 dazugekommene Queen Elizabeth sind genauso erfolgreich. Die legendäre Queen Elizabeth 2 stellte 2008 nach 39 Jahren und fast 6 Millionen Meilen auf See den Betrieb ein und ging in Dubai als Luxushotel für immer vor Anker.

Die Cunard Line, eine der traditionsreichsten Reedereien der Welt hat den Sprung in die Moderne geschafft und mit ihren drei Luxuslinern ist sogar ein Hauch von Zeitalter der Transatlantik-Passagen wiederbelebt worden.

Die Flotte der Cunard Line
Queen Mary 2, 2004
Queen Victoria, 2007
Queen Elizabeth, 2010

Zusammenfassung:

Die 1840 gegründete britische Reederei Cunard Line ist eine der ältesten und traditionsreichsten Passagierschiffreedereien der Welt. Sie ist heute eine Marke der amerikanischen Carnival Corporation.

Cunard hat mit den drei Queens Queen Mary 2, Queen Victoria und Queen Elizabth hochmoderne Kreuzfahrtschiffe mit klassischen Linien in der Flotte, die auch wieder zu Transatlantik-Passagen unterwegs sind.

Die Cunard-Queens stehen für Kreuzfahrten im Premium-Bereich auf klassisch schönen Schiffen mit britischem Understatement und viel Eleganz in mondänem Ambiente.

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