Danzig – Das Juwel an der Ostsee


Danzig (Gdansk) ist längst wieder ein Höhepunkt aller Ostseekreuzfahrten. Festgemacht wird aber nicht in Danzig direkt, sondern in Gdingen (Gdynia). Heute sind Danzig, Gdingen und Zoppot (Sopot) zur Dreistadt, polnisch Trojmiasto zusammengewachsen. Für Kreuzfahrturlauber ist das praktisch, man kann an einem Liegetag wegen der kurzen Wege viel sehen. Wer nicht an einem organisierten Landausflug seines Kreuzfahrtschiffes teilnehmen will, kann Danzig und die Dreistadt problemlos auf eigene Faust erkunden.

Nur Zloty sollte man wenn möglich schon an Bord eintauschen, oder schnurstracks den nächsten „Bankomat“ ansteuern, um polnisches Geld abzuheben. Keine Angst, die Automaten haben alle zumindest auch englische Sprachmodule. So ausgerüstet kann man sich mit einem Taxi, oder der Stadtbahn – einem Mittelding zwischen Straßenbahn und S-Bahn – Richtung Danziger Innenstadt aufmachen. Man fährt bis zum Hauptbahnhof und sieht sich dort direkt der Danziger Altstadt gegenüber.

Danzig, heute strahlend schön und die pure Ästhetik polnischer Restauratorenkunst, war total zerstört und wurde in einem Jahrzehnte währenden Kraftakt wieder aufgebaut. Einst reiche Hansestadt und Stadt des Bernsteinhandels, nach dem Ersten Weltkrieg Freie Stadt, Ausgangspunkte des Zweiten Weltkrieges und Wiege der Solidarnosc ist die Stadt ein geschichtsträchtiger Ort.

Heute zählt Gdansk, wie die Stadt polnische heißt rund 460 000 Einwohner und ist mit seinen Nachbarstädten, der Hafenstadt Gdynia (Gdingen) und dem Seebad Sopot (Zoppot) zur Dreistadt „Trojmiasto“ zusammen gewachsen, einem Ballungsraum mit 750 000 Einwohnern.

Da darf man sich nicht vertun: Das, was auf den Stadtplänen mit „Altstadt (stare miasto)“ bezeichnet wird, ist nicht das, was der Kreuzfahrer auf Landgang von Danzig sehen möchte. Das schöne, alte Danzig findet er im Stadtteil Glowne Miasto der Danziger Rechtstadt. Dort stehen die eindrucksvollen Bauzeugen aus Danzigs goldenem Zeitalter. Alles erinnert sehr an Städte wie Lübeck, die Backsteinbauweise und die Patrizierhäuser mit den prachtvollen Fassaden, die schon vor Jahrhunderten den Wohlstand auch zeigen sollten. Zahllose kleine Gassen kreuzen die Hauptstraßen, die von den prunkvollen Stadttoren herunter zum Ufer der Mottlau führen.

Die Danziger Prachtstraße ist der Königsweg, der vom Hohen Tor durch die Lange Straße (ul. Dluga) und über den Langen Markt (Dlugi Targ) führt. Hier finden sich neben unzähligen prächtigen Patrizierhäusern die wichtigsten Baudenkmäler der Stadt. Dazwischen gibt es unzählige Cafés und Restaurants, in denen man im Sommer draußen sitzt und die Atmosphäre fast mediterraner Leichtigkeit einer kosmopolitischen Stadt genießt. Die Meeresnähe, die schöne Umgebung und das Bewußtsein einer besonderen Geschichte scheint auf die Menschen abzufärben – In Danzig zu leben, ist etwas besonderes.

Im Rechtstädtischen Rathaus ist nicht nur die stadtgeschichtliche Ausstellung des Historischen Museums beherbergt. Vom 82 m hohen Turm, den man besteigen kann, hat man einen tollen Überblick über die Ostseestadt.

Der nur wenige Schritte entfernte Artushof stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde einst als Verbandshaus der Danziger Kaufmannschaft genützt. In seiner dreischiffigen Festhalle traf sich die Kaufmannschaft und empfing Könige und Gesandtschaften. Nicht zu übersehen ist der Neptunbrunnen vor dem Artushof, der aus dem 17. Jahrhundert stammt und ein beliebter Treffpunkt ist.

Prachtentfaltung und Prunk der Patrizierhäuser ist aber nicht auf diese Paradestraße beschränkt. In der parallel verlaufenden Brotbänkengasse (ul. Chlebnica) sowie der Frauengasse (ul. Mariacka) herrscht weniger Betrieb, dafür stehen hier die für Danzigs Blütezeit so charakteristischen Häuser mit Beischlägen, den Terrassenaufgängen, unter denen sich in kleinen Kellerräumen liebevoll dekorierte Bernsteinläden und Silberschmieden eingerichtet haben.

Der anspruchsvolle Bernsteinliebhaber wird sich hier eindecken, wo man auch ausgefallene Stücke erwerben kann und ganz moderne Interpretationen der Verbindung von Silberschmiedekunst und Bernsteinschleiferei findet. Preisgünstigen, nach Gewicht verkauften Bernstein findet man an den unzähligen Ständen an der Mottlau rund um Danzigs Wahrzeichen, das Krantor aus dem Jahre 1443.

Überragt wird das alte Danzig von der Marienkirche an der Frauengasse, deren Baubeginn auf 1343 datiert wird. Das wuchtige Gotteshaus ist die wohl größte Backsteinkirche der Welt, fasst sie doch sagenhafte 25.000 Gläubige. Sie ist eine der hellsten, von Licht durchfluteten Kirchen, deren unglaubliche Dimensionen sich erst innen so richtig erschließen. Eine besondere Stimmung von Hökern und Handeln vor den alten Kulissen der Altstadt kann man in den ersten beiden Augustwochen des Jahres erleben. Dann findet hier der Dominikanermarkt statt, ein riesiger Floh- und Antikmarkt mit viel Kleinkunst und Unterhaltung rund herum.

Aber auch außerhalb der Altstadt ist Danzig interessant, nur einen Katzensprung entfernt lag die Danziger Leninwerft, der Ort, an dem mit der Zulassung der freien Gewerkschaft Solidarnosc der Anfang vom Ende des Ostblocks stattfand. Hier steht das hohe, schlanke Ehrenmal für die Toten der 1970-er Unruhen.

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an den Danziger Günter Grass nahm die Stadt Danzig zum Anlass, literarische Schauplätze in der Stadt kenntlich zu machen. An Häusern, Plätzen und Straßen die in Grass-Büchern vorkommen, sind Emaille – Schilder mit den passenden Zitaten angebracht. Abseits der berühmten Altstadt kann man bei einem Rundgang auf den Spuren des Nobelpreisträgers und seiner Protagonisten ein ganz anderes Danzig kennenlernen. Gerade Wrzeszcz, das alte Langfuhr in dem Grass aufwuchs war und ist ein Arbeiterviertel. In dieser Heimat der Blechtrommel ist noch heute der Danziger Alltag zuhause.

Es gibt noch mehr, was man sich beim Danzig-Landgang ansehen kann. Da wäre der Dom im nahen Oliwa, das heute ein Stadtteil Danzigs ist. Die Orgelkonzerte sind weltberühmt, aber auch die täglich stattfindenden Orgeldemonstrationen sind hörenswerte Erlebnisse.

Eine Perle ist auch das Ostseebad Sopot, das einstige Zoppot. Die kleine Stadt liegt ohnehin auf dem Weg zwischen Danzig und Gdingen. Wenigstens über den legendären 512 Meter langen Seesteg sollte man flaniert sein und ein Blick auf das ebenso legendäre Grandhotel werfen – Sopot war und ist ein mondänes Ostseebad mit Tradition, in dem einst schon Josephie Baker Urlaub machte. Wer noch Zeit hat, nimmt einen Drink in der Galeria Kinski in der Kosciuszkistraße, dem Geburtshaus des Schauspielers Klaus Kinski. Der Pub widmet sich ganz Sopots berühmtestem Sohn mit tollen Dekorationen.